Beispiele für den Tourismus
Empco-Richtlinie
Wir möchten Ihnen hier einige Beispiele für die Kommunikation von Maßnahmen geben, nach Betriebstypen sortiert.
Hinweis vorab: Sie müssen nicht schon alles perfekt machen, um über Nachhaltigkeit zu sprechen. Sie können auch kleine Schritte und Ihren Entwicklungsweg kommunizieren. Entscheidend ist, dass Ihre Aussagen stimmen, verständlich sind und sich belegen lassen. Stellen Sie konkrete Schritte und Bereiche dar.
Hotels und Beherbergungsbetriebe
Problematisch:
– „Unser Hotel ist nachhaltig.“
– „Urlauben Sie umweltfreundlich bei uns.“
– „Wir sind klimaneutral.“
Besser so:
– „Für den Strombezug nutzen wir seit [Jahr] den Tarif [Name]. Informationen zum Strommix: [Link]“
– „Seit 2025 verzichten wir im Frühstücksbereich bei [Produkte] auf Portionsverpackungen.“ (Achtung: Dieser Verzicht wird nach der Verpackungsverordnung PPWR ab 2030 zur Pflicht. Bis dahin dürfen Sie ihn als Vorzug kommunizieren, danach nicht mehr.)
– „Kartoffeln beziehen wir vom Hof [Name] in [Ort], X km entfernt.“
– „Die Bushaltestelle [Name] liegt X Meter entfernt. Fahrplan: [Link]“
Worauf achten:
– keine pauschalen Begriffe ohne Erläuterung
– bei „klimaneutral“ besondere Vorsicht
– Zertifikate nur im tatsächlichen Geltungsbereich verwenden
– bei mehreren Gebäuden immer benennen, welcher Gebäudeteil gemeint ist
Ferienwohnungen und kleine Betriebe
Problematisch:
– „Unsere Ferienwohnung ist besonders nachhaltig.“
– „Umweltschonende Unterkunft in der Region.“
Besser so:
– „Die Ferienwohnung wird mit einer Wärmepumpe beheizt. In allen Innenräumen wird LED-Beleuchtung eingesetzt.“
– „In Bad und Küche stehen nachfüllbare Spender zur Verfügung.“ (Achtung: Der Verzicht auf Einzelportionsverpackungen und Miniatur-Hotelkosmetik wird nach der PPWR ab 2030 zur Pflicht und ist dann kein Werbeargument mehr.)
– „Die Gästemappe nennt Hofläden und Wochenmärkte mit Adresse, Entfernung und Öffnungszeiten.“
Worauf achten:
– kleine Maßnahmen nicht überhöhen
– mehrere konkrete Einzelmaßnahmen statt einer großen Behauptung
Gastronomie
Problematisch:
– „Wir kochen nachhaltig und umweltfreundlich.“
– „Unsere Küche ist regional und nachhaltig.“
– „Mit unseren veganen Gerichten tun Sie der Umwelt etwas Gutes.“
Besser so:
– „2025 entfielen 62 % unseres Einkaufswerts für Gemüse, Molkereiprodukte und Eier auf Lieferanten in einem Umkreis von 50 km.“
– „Von Juni bis September beziehen wir Tomaten und Kräuter vom Betrieb [Name], X km entfernt.“
– „Aktuell sind drei unserer acht Hauptgerichte vegan.“
– „Für Speisen zum Mitnehmen bieten wir das Mehrwegsystem [Name] gegen Pfand an.“
Worauf achten:
– regional, saisonal, bio oder vegan nicht automatisch mit „nachhaltig“ gleichsetzen
– bei „regional“ Anteil und Bezugsraum konkret benennen
Ausflugsziele und Freizeitunternehmen
Problematisch:
– „Unser Angebot ist nachhaltig.“
– „Naturverträgliches Freizeiterlebnis.“
– „Wir bieten umweltschonende Erlebnisse.“
– „Abgasfreie Wanderung.“ – das ist keine Leistung, sondern eine Selbstverständlichkeit des Wanderns
Besser so:
– „Die geführten Touren im Gebiet [Name] sind auf maximal 12 Personen begrenzt.“
– „Im Schutzgebiet [Name] nutzen unsere Touren ausschließlich die ausgewiesenen Wege. Der Bereich [Name] wird während der Brutzeit vom [Datum] bis [Datum] nicht betreten.“
– „Vor Beginn jeder Tour informieren wir die Teilnehmenden über das Wegegebot, die Mitnahme von Abfällen und die geltenden Schutzbestimmungen.“
– „Bei unseren Veranstaltungen verwenden wir Mehrwegbecher und Mehrweggeschirr.“
– „Das Catering für die Tour [Name] beziehen wir von der Bäckerei [Name] in [Ort], X km vom Startpunkt entfernt.“
– „Alle Startpunkte unserer geführten Wanderungen erreichen Sie mit dem Wanderbus im Stundentakt.“
Worauf achten:
– deutlich machen, worin die Nachhaltigkeitsleistung konkret besteht
– Naturbilder oder Naturbezug allein sind kein Nachweis
– bei Outdoor-, Tier- oder Naturangeboten besonders auf Glaubwürdigkeit achten
– keine Eigenschaften hervorheben, die jedes vergleichbare Angebot ohnehin hat
Tourist-Informationen
Problematisch:
– „Unsere Tourist-Information arbeitet nachhaltig.“
– „Wir beraten klimafreundlich.“
– „Bei uns erhalten Gäste nur nachhaltige Angebote.“
Besser so:
– „Die Tourist-Information informiert über konkrete Möglichkeiten zur Anreise und Mobilität vor Ort: Bus- und Bahnverbindungen, Fahrradverleih, Ladestationen und barrierefreie Mobilitätsangebote.“
– „Bei zertifizierten Partnerbetrieben nennen wir das konkrete Zertifikat und verlinken auf Informationen zu Kriterien und Geltungsbereich.“
– „Die Auflage des gedruckten Gastgeberverzeichnisses wurde von X Exemplaren im Jahr 2024 auf Y Exemplare im Jahr 2026 reduziert; zusätzlich steht eine digitale Ausgabe zur Verfügung.“
– „Im Jahr 2026 haben X Mitarbeitende an einer Schulung zur nachhaltigkeitsbezogenen Gästeinformation teilgenommen.“
Die wichtigste Regel: Verantwortlich ist, wer wirbt.
Wer eine fremde Nachhaltigkeitsaussage in die eigene Kommunikation übernimmt – ins Gastgeberverzeichnis, in eine Kampagne, eine Broschüre, einen Newsletter oder einen Social-Media-Post – macht sie sich zu eigen und haftet für ihre Richtigkeit. Der Hinweis, die Angabe stamme vom Betrieb, entlastet nicht.
Für die Praxis heißt das:
– Nur Aussagen übernehmen, die genauso konkret sind, wie Sie sie selbst formulieren müssten
– Belege einsammeln, nicht Zusagen: Zertifikat mit Laufzeit, Messwerte, Berechnungsmethode
– Bei Siegeln des Partners das Zertifizierungssystem selbst prüfen – die Prüfpflicht wandert mit
– Gültigkeiten überwachen: Ein abgelaufenes Zertifikat des Partners wird zu Ihrem Problem
Worauf achten:
– nicht mehr versprechen, als tatsächlich geleistet wird
– klar beschreiben, was die Tourist-Information konkret macht
– bei allen Angaben über Dritte Belege anfordern und ablegen
